Neues in Sachen Fahrstuhl für das Mittelstufenhaus

Am 5. November 2019 berichtete der Senat der Bürgerschaft über die bisher umgesetzten Maßnahmen zur Verbesserung der Inklusion an Hamburger Schulen.

In der Sitzung des Schulausschusses am 26. November hatte jeder Hamburger Bürger die Möglichkeit, öffentlich zu diesem Bericht des Senats Stellung zu nehmen. Dies haben wir als Elternrat genutzt, um gemeinsam mit den Schülersprechern Jacob Matthias Gelzer und Ole Wasmuth in Sachen Fahrstuhl für das Mittelstufenhaus nachzuhaken.

Nachdem die Schülersprecher eindrücklich die Wichtigkeit eines Fahrstuhls im Mittelstufenhaus geschildert hatten, fragten wir den Schulsenator, ob und wann mit dem Bau des Fahrstuhls zu rechnen sei. Außerdem wollten wir wissen, ob und wie es für uns als Eltern möglich ist, den Bau zu beschleunigen (zum Beispiel, indem wir zusätzlich Geld sammeln). Und wir signalisierten, dass wir weiterhin im konstruktiven Gespräch mit der Behörde bleiben möchten.

Die Schülersprecher Jacob Matthias Gelzer und Ole Wasmuth gemeinsam mit Elternratsmitglied Silke Brockerhoff (Schnittstelle Inklusion) auf der Schulausschusssitzung am 26. November 2019

Leider nutzte Senator Rabe unser Gesprächsangebot nicht. Stattdessen berief er sich erneut auf das inzwischen mehr als alte Argument, dass die GSB bereits über vier Fahrstühle verfüge. Andere Schulen dagegen hätten gar keine Fahrstühle. Seine Aufgabe als Senator sei es, so Rabe, für eine faire Verteilung der Fahrstühle zu sorgen. Und da könne es nicht sein, dass eine eh schon gut ausgestattete Schule bevorzugt werde, nur weil sie das Glück habe, dass ihre Eltern und Schüler so engagiert seien.

Worauf der Senator nicht einging: Die Stadtteilschule Bergedorf ist keine „normale“ Schule, sondern Schwerpunktschule. Schwerpunktschulen sind allgemeine Schulen, die über langjährige Erfahrungen in der integrativen Beschulung verfügen. Sie sind baulich, sächlich und personell besonders ausgestattet. Hier können Kinder und Jugendliche mit speziellen sonderpädagogischen Förderbedarfen (in den Bereichen Sehen, Hören, Autismus, geistige Entwicklung, körperlich-motorische Entwicklung) besonders gut gefördert werden.


  • Die Stadtteilschule Bergedorf war die erste weiterführende Schule in Hamburg, die bereits in den achtziger Jahren ihre Türen für behinderte Kinder öffnete.
  • Seit Einführung der Inklusion ist sie Schwerpunktschule, auch und besonders für Schüler mit körperlich-motorischen Einschränkungen.
  • Erst im September wurde der neue Therapieraum eingeweiht, in dem eine Ergo- und eine Physiotherapeutin Therapie und Pflege für Kinder mit Förderbedarf in der körperlich-motorischem Entwicklung möglich machen.
  • Trotzdem hat das neu sanierte Klassenhaus für die Mittelstufe keinen Fahrstuhl erhalten.

Eltern von Kindern mit speziellen Förderbedarfen können in Hamburg wählen, ob ihr Kind an einer Sonderschule oder inklusiv an einer Schwerpunktschule unterrichtet werden soll. Behinderten Kindern stehen also (noch) nicht alle allgemeinen Schulen offen.

Um inklusive schulische Angebote an Schwerpunktschulen zu erweitern, gibt es in Hamburg das Projekt „Schwerpunktschulen stärken„. Damit sollen bestehende Schwerpunktschulen ausgebaut und neue Schwerpunktschulen geschaffen werden.

Im Bezirk Bergedorf sind aktuell drei Stadtteilschulen Schwerpunktschulen: die Gretel-Bergmann-Schule, die Stadtteilschule Lohbrügge und die Stadtteilschule Bergedorf. In der Gretel-Bergmann-Schule sind alle Schulräume im Rollstuhl erreichbar. Möglichkeiten für Therapie und Pflege sind vorhanden. Die Stadtteilschule Lohbrügge baut zur Zeit ein neues Klassenhaus. Die während der Bauphase genutzten Räume sind nicht rollstuhlgerecht ausgestattet.

In das Mittelstufenhaus der Stadtteilschule Bergedorf ließe sich relativ schnell und mit überschaubaren Kosten ein Fahrstuhl einbauen. Dann gäbe es in Bergedorf nach der Gretel-Bergmann-Schule eine zweite Schwerpunktschule, in der alle Klassenräume der Jahrgänge 5-10 im Rollstuhl zu erreichen sind. Eltern von Kindern mit keiner oder nur eingeschränkter Gehfähigkeit hätten endlich eine echte Wahlmöglichkeit bei der Schulauswahl!

Für den Elternrat: Silke Brockerhoff

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